7. Schach macht Spaß – Oder wie uns eine Partie das Leben eines Komponisten näher bringt

Schach ist schön und nahezu überall auffindbar. Wie bunte Eier an Ostern hier und da aus dem zartgrünen Gras hervorlugen, so kann uns Schach überall plötzlich und manchmal auch unerwartet an das königliche Spiel denken lassen. Im Garten erfreut uns im Frühjahr die zarte Schachbrettblume, beim Besuch im Frankfurter Geburtshaus von Goethe ist ein Fenstertischchen mit eingearbeiteten Schachbrett zu entdecken und selbst Schumann, den wir als Komponisten kennen, war ein begabter Schachspieler. Wenn wir bereit sind, uns auf das vielseitige Spiel einzulassen, hält es auch in seinen Tiefen so manche Lebensweisheit für uns parat. In einer Glasvitrine im Geburtshaus von Robert Schumann in Zwickau steht ein kleines Schachspiel mit aufgestellter spannender Partie.

Auf den ersten Blick sieht es für Schumann mit Weiß und seinen nahezu mickrig anmutenden, noch verbliebenen Figuren ziemlich hoffnungslos aus. Sein schwarzes Gegenüber kann mit immerhin noch neun Spielteilnehmern aufwarten. Ihm selbst verblieben gerade noch fünf. „Oh je Herr Schumann“, dachte ich auf den ersten Blick, „das sieht ja auf dem Spielfeld wie ihr eigenes wirkliches tragisches Lebensende aus! “Aber schnell blickte ich tiefer ins Geschehen und der richtige Ort der verbliebenen Figuren zeigte eine kluge Übermacht, Schumann war nicht allein auf dem Schlachtfeld des Lebens, unweit von ihm stand Clara Wieck bereit, sich für ihn in die Bresche zu schlagen, bereit, sich für ihn herzugeben. Sein Ziel, Zweisamkeit in Einheit war nicht nur sein musikalisches Erstreben, auch auf dem Schachbrett kämpften bei ihm Dame und König beharrlich gemeinsam. So wie Clara durch ihre Konzerttournee in Russland die Geldsorgen stoppte, so bot sie hier dem Gegner die Stirn. De3 – g5+. Egal, dass sie hernach vom Platz musste. h6 x g5. Sie wurde von einem starken Läufer unterstützt, vielleicht ein Davidsbündler, mit dem Robert einst im Leipziger Lokal „Zum Arabischen Coffeebaum“ sich einfand. Ld2 x g5#. Alle gemeinsam konnten sich jedenfalls am Triumph des Königs erfreuen! Weiß (Schumann) errang den Sieg! Und was lehrt uns das? Niemals aufgeben, auch wenn es zunächst trostlos erscheint – sich Verbündete suchen und gemeinsam das Ziel erreichen! Schach und das Leben machen Spaß!

Verfasser: Viola Nickel, Rodewisch