8. Spielberichterstattung

Ein Auszug aus der Spielberichtserstattung nach einem Mannschaftswettkampf

Michael (bzw. seine Stellung) leidet während seiner kompletten Eröffnungsphase darunter, dass sein Damenläufer es vorzieht, sich es auf c8 gemütlich zu machen. Anstatt schnellstmöglich (d. h. vor e7-e6) in einer Caro-Kann-Eröffnung (es ist die Flohr-Variante, NICHT Floh-Variante ) diesen Läufer nach f5 zu dirigieren, verharrt (man müsste eher sagen erstarrt!) der Damenläufer bewegungs- und regungslos auf c8. So nimmt schon beizeiten das Unheil seinen Lauf.

Nach 6. … Db6

Dd8-b6 verhindert Sg8-e7, denn sonst erfolgte Lg5xSe7 nebst Ke8xLe7 mit unmöglicher Rochade. Also Sg8-h6. Mist aber auch. Dd1-d2 (nach beidseitiger Rochade) offenbart das ganze Unheil Michaels unglücklicher Positionsfehler. Kein Feld mehr frei für den Springer! Doch! Ein kleines Feld auf f5 zum Verschnaufen, aber nach g2-g4 darf sich dieses Pferdchen entscheiden, welchen Tod es sterben mag.

Nach 11. g4

Es entscheidet sich dafür, noch zwei weiße Bauern mit ins Grab zu reißen. Aber das ist dann auch furchtbar mit anzusehen, welche Figuren dafür alle ihr dann doch sehr kurzes Leben lassen müssen. Die beiden Königinnen und bei Weiß zwei treue Fußvasallen und bei Michael der Königsspringer, der die Königin schützen und rächen muss. Nun ja, sieht nicht gut aus für Michael, aber falls er es schafft, seinem Gegner das Leben dadurch schwer zu machen, indem er die Reihen (und Linien!) geschlossen hält, evtl. die weißen Rösser aus dem Spiel nehmen kann, kann er seinem Monarchen wohl das Leben retten.
Und wieder wenden wir uns einer Schlüsselstellung zu. Hat Michael meine telepathisch transportierten Schwingungen empfangen? Hat er das richtige Fingerspitzen-/Positionsgefühl an den Tag bzw. auf’s Brett gelegt? Hat er? Hat er?? Hat er??? Nein, hat er leider nicht  Zumindest nicht auf Dauer, nur bis zum 25. Zug. Da hat sein Gegner sogar ihm noch den Gefallen getan, einen seiner beweglichen Springer abzutauschen, sodass Michael über eine Bauernwand h7, g6, f6, e5, d5, c6, b5 und a6 verfügt.

Nach 25. … d4

Jetzt gelte es, diese Bauernkette nur zu bewegen, wenn sich ein weißer Bauer direkt bei einem schwarzen Bauern anfragend nach vorne wagt. Nicht umsonst hieß es früher auf den Schlachtfeldern: „Haltet die Reihen geschlossen! Bleibt standhaft! Entfernt Euch nicht voneinander! Ihr müsst Euch immer an den Händen fassen können!“ Doch Michaels Naturell spielt ihm einen Streich. „Vorwärts! Immer vorwärts!“ schreit ihm der kleine Teufel ins Ohr. D5-d4 und Du kannst Deinen Läufer auf e3 mit Schachgebot verankern!“ Gesagt – getan. Aber prompt kommt der Rückschlag. Der weiße Springer dringt von c3 über e4 nach d6 vor, tauscht sich gegen den unbeweglichsten schwarzen schwarzfeldrigen Caro-Kann-Läufer aller Zeiten auf b7. Hätte nun Weiß keinen Bauernhebelzug mehr, könnte die mittlerweile löchrige schwarze Reihe noch Schutz bieten.

Nach 32. c3

Aber nachdem auch noch Michael seinen Läufer nach f4 zieht, nimmt mit c2-c3 das Unheil seinen Lauf! Meine telepathischen Fähigkeiten lassen heute sehr zu wünschen übrig. Noch lauter kann ich c6-c5 ihm nicht suggerieren. Michael hat wohl vor Ld3-e4 mehr Bammel, denn dann wäre auch diese h1-a8-Diagonale in Feindeshand. So brechen nach und nach alle Dämme. D- und e-Linie werden geöffnet, dann noch das allerletzte Dämmchen, die g-Linie. Michael möchte noch wenigstens einmal Schach bieten, darf es sogar zwei Mal. Aber auch das schiebt das Ende nur noch hinaus. Das genaue Ende ist nicht zu eruieren, da die Mitschrift Michael typisch verläuft. Zu viele faule Ostereier in diesem Nest. Auch so etwas, worin sich eines unserer Mankos widerspiegelt. Der Ablauf ist doch einfach. Man schreibt des Gegners Zug auf, überlegt seinen eigenen, zieht ihn, drückt die Uhr und schreibt den eigenen Zug auf. Dann das ganze vor vorne. Das wäre mal ein Träumchen. Ich schmeiß ‘ne Runde, falls ich mal 8 problemlos nachspielbare Notationen erhalte. So steht es nach 2,5 Stunden 0:2.

Bernd – Michael , 2018, Partienotation

1.e2−e4 c7−c6 2.Sb1−c3 g7−g6
3.d2−d4 Lf8−g7 4.Sg1−f3 d7−d5
5.e4−e5 e7−e6 6.Lc1−g5 Dd8−b6
7.Ta1−b1 Sb8−d7 8.Lf1−e2 Sg8−h6
9.0−0 0−0 10.Dd1−d2 Sh6−f5
11.g2−g4 Sf5xd4 12.Dd2xd4 Db6xd4
13.Sf3xd4 Sd7xe5 14.Sd4−b3 f7−f6
15.Lg5−f4 Se5−d7 16.Lf4−g3 e6−e5
17.f2−f3 b7−b6 18.h2−h3 Lc8−b7
19.a2−a4 Ta8−c8 20.a4−a5 b6−b5
21.Lg3−f2 a7−a6 22.Sb3−c5 Sd7xc5
23.Lf2xc5 Tf8−f7 24.Lc5−a3 Lg7−h6
25.Tb1−d1 d5−d4 26.Sc3−e4 Lh6−e3+
27.Kg1−g2 Tc8−a8 28.Se4−d6 Tf7−d7
29.Sd6xb7 Td7xb7 30.Le2−d3 Ta8−c8
31.Tf1−e1 Le3−f4 32.c2−c3 Kg8−g7
33.c3xd4 h7−h5 34.d4xe5 Lf4xe5
35.b2−b4 Tb7−f7 36.Te1−e3 Le5−f4
37.Te3−e2 f6−f5 38.g4xf5 g6xf5
39.Ld3−c2 Kg7−h7 40.Te2−e6 Tc8−g8+
41.Kg2−f2 Lf4−g3+ 42.Kf2−f1 Tf7−c7
43.Lc2xf5+ Kh7−h8
1−0

Verfasser: Matthias Hofmann, Marktheidenfeld